Ein Haus mit vielen Leben.
Vom alten Pfrontener Hof und seiner Geschichte als Teil einer lebendigen Handwerkslandschaft.

434 Geschichten · Die Hausgeschichte
Fast 400 Jahre. Und noch lange nicht auserzählt.
Die Geschichte von HOF 434 beginnt nicht mit einer Ferienwohnung. Sie beginnt mit Bauern, Rädermachern, Schmieden, Wasser und Feuer.
Die Forschungen des Heimatvereins Pfronten führen die Geschichte des Anwesens bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Die historische Nummer 434 ist dabei selbst Teil der Geschichte – sie ist nicht die heutige Straßenadresse.
Ein Hof der Dosers.
Als früher Bewohner des alten Anwesens ist Georg Doser überliefert, ein Rädermacher oder Wagner. Das Handwerk war in der weit verzweigten Familie Doser über Generationen verbreitet. Sein Sohn Martin besaß später jenes Anwesen, dessen Recht schließlich zur Nummer 434 werden sollte.
Die Nummer wandert.
Philipp Doser verkaufte den alten, offenbar bereits baufälligen Hof an den Nachbarn Christian Mayr. Mayr ließ das Gebäude abbrechen. Das dazugehörige Pfarr- beziehungsweise Hofstattrecht blieb jedoch bestehen und wurde auf seine Hammerschmiede in der Ob übertragen. 1784 wurde daraus die Rechtlernummer 434.
Wasser wird Kraft.
Die Hammerschmiede wurde durch Wasser angetrieben. Ein Kanal zweigte vom Gießbach der Bläsismühle ab und führte das Wasser zu den Schmiedehämmern. Die historische Uraufnahme von 1818 zeigt sogar einen älteren, weiter nördlich verlaufenden Kanal. Beim Umbau des heutigen Hofes stießen wir wieder auf Spuren des alten Wasserlaufs.
„Christianesse Jakob“.
Jakob Mayr übernahm die Hammerschmiede und wurde noch als „Waffenschmied“ bezeichnet. Tatsächlich fertigte und reparierte er vor allem Dinge des täglichen Lebens – Werkzeuge, Teile der Pfrontener Feuerspritze und anderes Schmiedegut. Der ältere Hausname „Christianesse“ wanderte mit ihm auf das neue Anwesen.
Feuer in der Schmiede.
Die Hammerschmiede brannte ab und wurde neu aufgebaut. Feuer gehörte zum Handwerk – und war zugleich seine größte Gefahr. Auch 1868 sollte die Schmiede noch einmal brennen.
Hartmann.
Johann Baptist Hartmann aus Rubi bei Oberstdorf erwarb Haus 434 samt Hammerschmiede. Er arbeitete bis ins hohe Alter als Schmied. Sein Name blieb am Haus hängen: Spätere Quellen überliefern „Hartmann“ als Hausnamen – bis heute ein Teil der Identität des Hofes.
Von Hartmann zu Aletsee.
1883 ging der Besitz an Hartmanns Schwiegersohn Martin Aletsee. Später wurden Hof und Hammerschmiede innerhalb der Familie aufgeteilt. Franz Aletsee führte am Hof Landwirtschaft und fertigte in einer kleinen Schmiedewerkstatt Teile für Pfrontener feinmechanische Betriebe.
Die Schmiede zieht weiter.
Nach einem Hochwasser wurde die Wasserversorgung der alten Schmiede aufgegeben. Rudolf Aletsee errichtete am heutigen Kurpark eine neue Hammerschmiede mit einem neuen, rund 400 Meter langen Kanal. Damit trennte sich der Weg der Schmiede vom Hof 434. Die historische Schmiede am Kurpark blieb erhalten.
Die Geschichte bleibt sichtbar.
Der Hof steht heute wieder selbstverständlich an diesem Ort: mit seiner hölzernen Fassade, traditionellen Proportionen und einer neuen Nutzung. Nicht als Rekonstruktion einer vergangenen Zeit, sondern als Haus, das seine Geschichte weiterträgt.

434 Geschichten · Fundstück 01
Wasser unter dem Haus.
Beim Freilegen der Fundamente kam ein gemauerter Kanal zum Vorschein. Er erinnert an eine Zeit, in der Wasser nicht nur Landschaft formte, sondern auch schwere Schmiedehämmer antrieb.
Wie der Fund mit den historischen Wasserläufen zusammenhängt, erzählen wir in einem eigenen Kapitel.
Die Geschichte von Wasser und Eisen →
Quellen & historische Einordnung
Die Chronik folgt der Hausgeschichtsforschung des Heimatvereins Pfronten. Einzelne Zusammenhänge – insbesondere die genaue Zuordnung des freigelegten Kanals – sind als historische Einordnung und nicht als abschließend belegter Befund zu verstehen.
Hausgeschichte Pfronten-Heitlern (PDF) ↗ · Schmieden in Pfronten ↗ · Flurpläne 1818 ↗